Monthly Archives: April 2015

Rassismus 2.0 – Wie die rechte Szene sich soziale Netzwerke zu Nutze macht (Gastbeitrag von Xavier Hofmann)

Der 4. Gastbeitrag von Xavier Hofmann zum Thema “Menschliches Verhalten in sozialen Netzwerken”. Den Originalartikel findet ihr hier.
In den ersten drei Einträgen meines Blogs ging es allgemein um die Funktionsweise sozialer Netzwerke und das Verhalten mancher Nutzer. In diesem Post wird es nun darum gehen, wie die politisch rechte Ecke versucht, ihr Gedankengut in sozialen Netzwerken zu verbreiten und teilweise unterschwellig gegen Minderheiten jeder Art zu hetzen und eine allgemeine fremdenfeindliche Stimmung in der Gesellschaft zu erzeugen.
Beginnen werde ich mit einem Beitrag, der von der Facebook-Seite “NPD-Kreisverband Westpfalz” veröffentlicht wurde. Kurz gesagt: In Kaiserslautern sollen angebliche Asylanten den gefährlichen Ebola-Virus nach Deutschland gebracht haben. Natürlich stimmt das nicht, was man auch in meinen Quellenangaben detailliert nachlesen kann. Das Interessante ist an dieser Stelle die Art, wie der Beitrag verfasst wurde. Ähnlich wie es auch etliche “normale” Seitenbetreiber tun, wird hier versucht, die Reichweite der eigenen Posts mit Provokation und dem Aufstellen pikanter Fragen zu steigern. Darauf springen natürlich viele Nutzer an, die schon seit Monaten in der Angst vor dem tödlichen Ebola-Virus leben. Dabei ist es ihnen im Endeffekt egal, dass sie dabei die NPD indirekt unterstützen. Es geht primär um die Angst um das eigene Leben. Diese Angst wird hier genutzt, um Fremdenhass und Intoleranz gegenüber Asylanten zu schüren. In diesem anderen Beispiel bedient sich die NPD einer ähnlichen Vorgehensweise. Die Angst davor, die eigene Unterkunft zu verlieren, wird dazu genutzt, um gegen Asylanten zu wettern. Natürlich wurde auch hier mit allen Mitteln der Kunst versucht, ausgehend von einem realen Sachverhalt irgendwie eine provokante Meldung auf die Beine zu stellen. Auch in diesem letzten Beispiel wird noch einmal deutlich, dass die politisch rechte Ecke vor keiner Falschmeldung zurückschreckt, um auch nur irgendwie auf sich aufmerksam zu machen. Hier wurde die sogenannte „Eingliederungshilfe“, die eigentlich nur körperlich oder geistig wesentlich behinderten Menschen zusteht, so uminterpretiert, als dass sie dazu dienen würde Asylbewerbern das Eingliedern in die Gesellschaft zu erleichtern. Da es sich in diesem Fall um mehr als 2000 Euro handelte, war die Empörung enorm.

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Zusätzlich zu den hier beispielhaft genannten Beiträgen, die aus offensichtlich rechtsextremen Federn stammen, gibt es noch eine subtilere Art, um in sozialen Netzwerken den Hass auf Minderheiten zu schüren. Als Beispiel sei hier auf die oberen Bilder hingewiesen. An dieser Stelle kann man nur über die eigentliche Herkunft und den Sinn der Beiträge spekulieren, jedoch scheinen diese alle einen faden, rechten Beigeschmack zu haben, was besagten Gruppierungen zweifellos entgegenkommt. Teilweise bestehen solche Statusbeiträge aus riesigen Texten, die wohl den Eindruck vermitteln sollen, dass es sich um einen seriösen, gut recherchierten Beitrag handelt. Im Endeffekt wird auch hier nur wieder versucht, ein Maximum an Aufmerksamkeit zu erlangen. Beiläufig werden dann Informationen bezüglich einer ausländischen Herkunft der in den Beiträgen behandelten Täter erwähnt. Diese Informationen führen dazu, dass Nutzer, die diese Beiträge glauben, sich – nach dem Entdecken etlicher ähnlich gelagerter Fälle – “in ihrem eigenen Land nicht mehr sicher fühlen”. Hier und hier kann man sich zwei Musterbeispiele für solche Beiträge ansehen. Besonders bei Letzterem kann man erkennen, wie schnell und unkontrolliert sich die Meldung im Internet verbreitet hat. Das Dementieren dieser Meldungen durch die Polizei ist hier nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke ist es auch für die rechte Szene einfacher geworden, neue Mitglieder zu werben. Wo man sich früher erst einmal informieren musste, wo sich die rechte Szene im eigenen Ort denn eigentlich traf und zusätzlich den Mut aufbringen musste dort vorstellig zu werden, so kann man heute mit nur wenigen Klicks den Kontakt mit solchen Personen aufnehmen. Deren angewandte Taktiken zur Rekrutierung sind vielfältig, und es wird gezielt versucht, potenzielle Interessenten Schritt für Schritt in den braunen Morast zu ziehen. Wenn man erst merkt, worauf man sich eingelassen hat, so ist meist schon zu spät, um aus eigener Kraft wieder heraus zu kommen. Auffällig ist hier auch die Anzahl der rechten Seiten, die sich immer gegenseitig referenzieren und wohl auch von den gleichen Betreibern administriert werden. Auch die aktiven Mitglieder solcher Seiten scheinen offensichtlich immer auf die gleiche Menge von echten Personen abzubilden. So entstehen unter Posts teilweise gestellte Diskussionen, die den Zweck haben, Dritte zu beeinflussen und Sympathien für die besprochenen Inhalte zu wecken.
Zum Abschluss dieses Beitrags bleibt nur noch einmal zu wiederholen, dass man unter keinen Umständen, wahllos Beiträge in sozialen Netzwerken weiterleiten sollte. Ist es eigentlich schon schlimm genug, dass man hier (unwissentlich) Falschmeldungen verbreitet und Hetze betreibt, so kann dies eigentlich nur noch schlimmer werden, wenn man durch unüberlegtes Handeln rechts orientierten Gruppierungen den Wind in die Segel bläst. Der Einfluss, den das braune Gedankengut in sozialen Netzwerken ausübt, scheint immer größer zu werden. Der altbekannte Satz “Ich bin ja kein Rassist, aber…” und seine gleichgesinnten Konsorten scheinen, auch dadurch, wohl immer salonfähiger zu werden. Diese Entwicklung unserer Gesellschaft empfinde ich als sehr beunruhigend, da uns auch die Vergangenheit nicht davor bewahrt, empfänglich für offensichtliche Manipulationsversuche seitens des rechten Randes zu sein.

Quellen:

http://www.mimikama.at/allgemein/angeblicher-ebola-verdacht-in-kaiserslautern-nichts-als-ein-laues-lftchen-von-rechts/
http://www.mimikama.at/allgemein/privatwohnungen-knnen-fr-asylanten-beschlagnahmt-werden-sagt-die-npd/
http://www.mimikama.at/allgemein/unfassbar-kein-fake/
http://www.mimikama.at/allgemein/angeblicher-versuch-einer-kindesentfuehrung-in-duisburg/
http://www.mimikama.at/allgemein/die-organmafia-in-essen-und-duisburg-ein-fake-verbreitet-angst/
http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/180893/das-braune-netz

Bildquellen:

http://www.mimikama.at/wp-content/uploads/2014/04/image15.png
http://www.mimikama.at/wp-content/uploads/2014/04/image24.png

Nico Castiglia – Der neue Kopf der rechten Szene in Luxemburg

Die seit einigen Monaten herrschende Stille rund um die rechte und rechtsextreme Szene Luxemburgs in den sozialen Medien wurde vor wenigen Tagen mit einem Paukenschlag durchbrochen. Ein gewisser Nico Castiglia – dessen Treiben ich bereits seit einiger Zeit beobachte – hat in einem Gespräch mit RTL.lu angekündigt, das luxemburgische Pendant des rechtsextremen Front National – einer Partei, die trotz ihrer angeblichen Entdämonisierung durch Marine Le Pen nach wie vor an die niedersten Ängste der Menschen appelliert und somit auf Stimmenfang geht – zu gründen. Am 25. April 2015 soll die neue Partei namens “Sozial Demokratesch Vollëkspartei”, die in der politischen Landschaft Luxemburgs den braunen Morast rechts der ADR für sich beanspruchen möchte und in der angeblich schon 40-50 Leute involviert sind, das Licht der Welt erblicken. Alarmiert von dieser beunruhigenden Nachricht, wollte ich der Sache dementsprechend näher auf den Grund gehen.

Nach einigen Recherchen, die ich euch nun nachfolgend präsentieren möchte, erhielt ich bereits einen sehr unangenehmen Vorgeschmack auf die Anhängerschaft Castiglias – die lässt seine Aussagen auf RTL, dass seine Partei angeblich weniger extrem wie der FN werden soll, sogleich wie blanken Hohn erscheinen. Sein Facebookprofil hat sich nämlich abseits der Öffentlichkeit in den letzten Monaten als das neue Sammelbecken für allerlei rassistische und menschenfeindliche Aussagen – die von Castiglia dazu mehr als offensichtlich toleriert und gar gezielt gefördert werden – herauskristallisiert. Die rechte Szene Luxemburgs ist nach einigen Rückschlägen, unter anderem in Form von Gerichtsurteilen aufgrund des Aufrufs zum Hass, also wieder wieder im Inbegriff, sich zu organisieren – und erstmals droht die braune Welle, unter dem Deckmantel von Castiglias “Sozial Demokratischer Volkspartei”, auch aus den sozialen Netzwerken in die reale Welt überzuschwappen.


Ehe ich aber näher auf Castiglias Profil selbst und die dort anzutreffenden rassistischen Eruptionen eingehe, möchte ich, um die Gründung der SDV zu kontextualisieren, noch einmal die allgemeinen Strukturen und auch den aktuellen Stand der rechten und rechtsextremen Szene in Luxemburg näher beleuchten. Für all diejenigen, die mehr über deren Entwicklung in den letzten Jahren erfahren möchten, habe ich dazu am Ende des vorliegenden Texts eine Übersicht meiner bisherigen Arbeit zum Thema zusammengestellt.

Die rezenten Ausbrüche von Rechtsextremismus in Luxemburg konzentrieren sich fast ausschließlich auf die sozialen Medien – in diesem Falle insbesondere Facebook; die letzten Versuche zur Gründung von rechtsextremen Parteien (wie beispielsweise durch den berühmt-berüchtigten Pierre Peters in den 90ern) schlugen gnadenlos fehl. Rassistische Kommentare in den Kommentarspalten großer luxemburgischer Tageszeitungen sind leider gang und gäbe, nehmen aber nie eine strukturierte Form an. In regelmäßigen Abständen – insbesondere im Anschluss an öffentliche Debatten, wie etwa die komplexe Diskussion um die Sprachensituation in Luxemburg oder jüngst etwa das Ausländerwahlrecht, was für sehr viel emotional geladene Polemik sorgt – tauchen dann Seiten auf, die als sogenannte Hubpages der rechten Szene fungieren. Dort tummelt sich dann deren harter Kern, der sich aus einigen wenigen Individuen, die immer wieder durch rassistische, islamo- und homophobe Kommentare auffallen, rekrutiert. Meistens verschwinden die Seiten nach einiger Zeit von selbst, wenn die gesellschaftliche Debatte wieder abflaut oder die Mitglieder sich durch interne Streitereien gegenseitig zerfleddern – Letzteres passierte bislang häufig bei all den kläglichen Versuchen, die rechten Strömungen in der luxemburgischen Bevölkerung in diversen Gruppierungen, wie etwa die “NDU”, “Lëtzebuerger Patrioten” oder “Luxemburg Defence League” zu kanalisieren. Zwischen dem rechtsextremen und dem rechtspopulistischen Rand, der in Luxemburg vorallem durch die Partei ADR repräsentiert wird, besteht desweiteren immer wieder reger, oftmals auch persönlicher Austausch – diverse jüngere ADR-Politiker sind mit Leuten, die in der Vergangenheit durch rassistische Kommentare auffielen, befreundet, und die Partei hat sich – auch wenn immer wieder das Gegenteil beteuert – nie ausdrücklich von klar rechtsextremen Mitgliedern distanziert und lässt sogar zu, dass sie immer wieder auf Parteiveranstaltungen auftauchen. Die ADR und insbesondere ihre Jugendorganisation ADRenalin selbst fristen wiederum ein Schattendasein – auch wenn die Verantwortlichen immer wieder die angeblich bevorstehende “konservative Revolution” (das Wort selbst stellt schon ein äußerst belustigendes Oxymoron dar) heraufbeschwören. Viele führende Persönlichkeiten innerhalb der Partei, wie etwa der Vorsitzende der Jugendorganisation, Joe Thein, oder Fernand Kartheiser, der ehemalige Parteipräsident, fallen auf ihren jeweiligen Blogs auch immer wieder durch äußerst krude Aussagen und Sympathiebekundungen gegenüber PEGIDA auf, mit denen sie verdeutlichen, auf welcher äußerst bedenklichen politischen Linie sich die ADR mittlerweile befindet.

Rechts dieser Partei möchte sich nun also die SDV ansiedeln und somit, nach zahlreichen gescheiterten Versuchen durch andere berühmt-berüchtigte Persönlichkeiten der rechten Szene, einen erneuten Vorstoß menschenfeindlicher Ansichten in die luxemburgische Politlandschaft wagen – das verspricht schonmal rosige Aussichten.


Zeit also, nun endlich mal Nico Castiglias Facebookprofil genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch auf diesem macht er, wie man schnell feststellt, keinen Hehl aus seiner überhaupt nicht bedenklichen Bewunderung für den Front National:

Nico Castiglia - "Gefällt mir"

Sehr auffällig ist, dass er nicht nur FN-Parteichefin Marine Le Pen – die unter anderem, um die aufwallenden Ängste nach den Terroranschlägen in Frankreich auszunutzen, die Wiedereinführung der guten alten Guillotine befürwortet hat und der wegen einer Rede, in der sie muslimische Gebete mit der Nazi-Besatzung Frankreichs verglich, ein Strafverfahren angedroht wurde – seine Sympathie in Form seines Likedaumens bekundet, sondern auch ihrem Vater Jean-Marie Le Pen, einem der bekanntesten und furchtbarsten Rechtsextremisten Europas, der unter anderem vor Kurzem wieder einmal bekräftigt hat, dass der Holocaust für ihn nur ein “Detail” des 2. Weltkriegs darstellt. Mit solch dem Humanismus verpflichteten politischen Vorbildern kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen! Ein Blick auf seine Lieblingsfilme zeigt dann auch, wo er sein fundiertes politisches Wissen herhat, und zwar aus dem unerreichten König der dubiosen und miserabel recherchierten YouTube-Videos, auf den sich so gut wie alle Verschwörungstheoretiker und Pseudo-Erleuchteten gerne berufen – “Zeitgeist”:

Nico Castiglia - Profil (Filme)

Stöbert man dann ein bisschen weiter, stößt man auch schnell auf seine feinfühligen lyrischen Ergüsse:

Politische Ohnmacht

Herr Castiglia ist im Gegensatz zu den von ihn angeprangerten, bösartigen Politikern natürlich ein ehrbarer Mann. Immerhin verdiente er sich seinen Lebensunterhalt früher unter anderem dadurch, älteren Damen ihr Erspartes abzuknüpfen, indem er sie davon überzeugte, in eine phantomhafte Fluggesellschaft zu investieren – bis ihm schließlich die Staatsanwaltschaft auf die Schliche kam und er eine saftige Gefängnisstrafe kassierte. Im Lichte dieser heldenhaften Taten erscheinen seine Selbstinszenierung als leidenschaftlicher Verfechter der “Wahrheit” (allerdings nur jener, die ihm in den Kram passt) und immer wieder auf Facebook von ihm hinaus posaunten Pamphlete gegen Politiker, die ihm zufolge die Bevölkerung ausbeuten, umso glaubwürdiger und authentischer.

Castiglia hat um die 4000 Freunde, die er zumeist mit sehr geschmackvollen und von seinem feinsinnigen Humor zeugenden Witzeleien über Erektionen und Blondinen auf Trab hält:

9.1 Castiglia verfügt auch über einen sehr subtilen Humor

Von Zeit zu Zeit wirft er dann aber immer wieder politisch aufgeladene Beiträge in die Mitte seiner Anhängerschaft, die vom offensichtlichen Verlangen beseelt sind, an die niedersten Ängste zu appellieren und möglichst rabiate Reaktionen hervorzurufen.

Ein Beitrag löste dabei einen besonders fürchterlichen rassistischen Sturm aus:

1.1 Castiglia Artikel 50 Millionen

Wenn man sich den von Castiglia verlinkten Artikel selbst näher anschaut, merkt man ziemlich schnell, dass es sich dabei um eine wirre Ansammlung von diversen rechten Verschwörungstheorien und gezielter Angstmache ohne fundierte Quellen handelt. Beispielsweise greift der Autor des besagten Artikels am Ende auf die in rechten Kreisen gerne verbreitete Zahl von 51, 72 Millionen (!) Muslimen zurück, die 2045 angeblich in Deutschland leben sollen – wie sich diese Verzehnfachung (!!) der muslimischen Bevölkerung in Deutschland alleine schon vom rechnerischen Standpunkt her innerhalb von 30 Jahren ereignen soll, will sich mir nicht so recht erschließen (wenn ihr wirklich valide Prognosen zu diesem Thema haben wollt, empfehle ich euch übrigens diesen Link zu Rate zu ziehen).

Nico Castiglia verteidigt den Artikel trotzdem erbittert mit allen erdenklichen argumentativen Mitteln und vorbildlichen Quellenangaben:

1.14 Brillante Quellenangabe vom Herrn Castiglia.

Übersetzung: “Die Artikel sind nicht Dumm die sogar schon im Fernsehen Thema gewesen …!”

Nico Castiglia postet nun diesen ganz offensichtlich auf falschen Fakten und vollkommen irrsinnigen Prämissen basierenden Artikel mit der plakativen und sehr aussagekräftigen Überschrift “Vollidioten !!!” – was dann auch die gewünschten Reaktionen des sich um ihn scharenden braunen Mobs, dem jeder noch so lächerliche Vorwand Recht ist, um dem in ihm schwelenden Hass freien Lauf zu lassen, hervorruft. Die dabei zustande gekommenen Kommentare sprechen in all ihrer Ignoranz und ihrem blanken und unverhohlenen Rassismus für sich:

1.2 Crystal Cryster Erster rassistischer Kommentar

Übersetzung: “Ach Jesus, normal dass Leute keine Kinder mehr machen, kein Geld !!!! Und dann bringen sie gerne faule Säcke herein, aber nun ja, was erhoffen die sich dabei !!!!”

1.3 Knutschiwutschi Miri Noch ein rassistischer Kommentar

Übersetzung: “was heißt hier ausgebeutet ??? Sie hätten ja selbst etwas machen können !! Aber dafür sind die ja zu faul.”

1.5 Rassistische Sicht auf Afrika

Übersetzung: “Zur Sache “Kriegs-Länder”. Kann jemand mich aufklären WO im ganzen ehemaligen Jugoslawien (Ich weiß, ist nicht Afrika) Krieg ist. Weil noch JEDEN TAG welche ankommen ! Lampedusa, schau dir die Reportagen an ! Lauter JUNGE kraftstrotzende Männer. In ganz Europa, egal in welchem Land, ist mit denen “ach so geplagten” Flüchtlingen die Kriminalität sprunghaft nach oben gegangen. Und ich sage NOCH einmal, das sind KEINE Flüchtlinge, zu 99% nicht. Die, die als erstes weglaufen, hauptsächlich die die ich vorhin erwähnt habe, sind Feiglinge, die ihre Familie im Stich gelassen habe. Und so etwas braucht Europa NICHT. Schaut die Fotos hier. Trotz ein paar 100 Jahren “Entwicklungs-Hilfe” gibt es dort noch so etwas dort. Und das kommt eben vor, wenn man für ein paar Milliarden supermodernes Kriegs-Material kauft. Dreht denen den “Spenden-Hahn” zu, ihr werdet euch wundern, wie schnell dort Ruhe ist.”

1.6 Rassistischer Kommentar von "Kleiner Mann"

Übersetzung: “Frank Scheer, glaube das kaum. Ist eine Frage von Bildung. Und sorry, das, ist etwas was diese “Leute” NICHT haben.”

1.7 Noch mehr Rassismus

Übersetzung: Crystal Crystal: “Und dann müssen wir hier auf unsere Diamanten und Ringe aufpassen.” Kleiner Mann: “Nur noch eins, ich weiß mich zu wehren. Avis aux Amateurs.”

1.8 Afrikaner werden kollektiv als "Neger" bezeichnet

Übersetzung: “Nun denn, wenn die EU 50 Millionen (ja 50.000.000 !!!) Neger in die EU nehmen will, dann wandere ich in Afrika aus, weil dort sind ja fast keine mehr da, dann sind die fast alle bei uns. Und dann kann man noch so lange in Afrika ruhig leben, man braucht keine Angst mehr zu haben, weil mit den 50 Millionen kommen auch eine ganze Reihe Terroristen und Fanatiker mit zu uns (die kommen jetzt schon mit den “Flüchtlings”-Booten) 3x sollen das Juxusburg und 3x die EU hochleben mit hieren politischen Gehirnkrüppeln!!!!!!!!!”

1.9 "Brauchen wir nicht hier in Europa, beurk"

Übersetzung: “Brauchen wir nicht hier in Europa, Beurk”

1.12 Afrikaner werden alle kollektiv als Verbrecher und "Abschaum" abgestempelt

Übersetzung: “Theid, du hast ja auch einen echten Luxemburger Namen, genau wie ich, aber wer hat diese Namen überhaupt erfunden? Und ein Name ist noch lange kein Landesverräter, das will ich dir aber auch sagen. Auch wenn du in der Politik tätig bist, schau mal was für ein Abschaum ihr mittlerweile in Esch (-Alzette) rumlaufen habt, und nicht nur in Esch auch in Schifflange, Diddelange, Stadt und dann im Norden vom Land. Mord, Raub, Überfälle, usw. ohne von den Sachen zu sprechen die vertuscht werden. Ich glaube wir hatten die goldenen Jahre nach dem Krieg erwischt, Theid, unsere Kinder schon nicht mehr so. Also es ist kein Platz mehr für nach mehr Verbrecher, wir haben schon genug in der Politik sitzen denen wir schon nicht mehr Herr werden.”

1.16 Knallst du einem "Neger" eine ...

Übersetzung: “Knalls du einem Neger eine bist du Rassist, knallt er dir eine ist er schlecht integriert. Kommt drauf an wie du es siehst. Oder wie ein Kollege sagte: Wenn sie klein sind sind sie nett, wenn sie groß sind klauen sie dir dein Auto. Wenn du dich hier im Land wehrst bist du sofort Rassist. Nico ich stehe hinter deiner Meinung.”

Bei solch unverhohlenem Rassismus fällt es mir wirklich schwer, gleichermaßen meine sarkastische Distanz als auch meine Fassung zu bewahren – es ist wahrhaftig eine Schande, dass nach wie vor solche ignoranten und redundanten Ansichten von der unbeschreiblich schönen Vielfalt Afrikas in Teilen der luxemburgischen Bevölkerung kursieren. Deren Vertreter besitzen dann gar noch zusätzlich die bodenlose Frechheit jegliche Vorwürfe des Rassismus abzuwimmeln und sich selbst zum Opfer von ‘reverse racism’ (der übrigens ein Mythos ist) hochzustilisieren:

1.10 Trauriges Herz liefert flawless logic

“Das hier hat nix mit Rassismus zu tun das ist Realität !!!! Weil wir in unserem eigenen Land werden rassistisch dumm und blöd angemacht, und dann dürfen wir hier unsere Meinung nicht sagen? Kein Wunder dass man so denkt !!! Und dann ist hier schon zu Wort gekommen dass die wo dagegen sind dass wir uns wehren können sie alle bei sich aufnehmen !!! Darf jetzt nicht weiter schreiben was ich denke !!! Schönen Tag noch !!!”

Achja, einen regelrechten Aufruf zu Lynchjustiz gibt es unter dem Artikel dann auch noch:

1.11 Aufruf zu Lynchjustiz

Übersetzung: “und dann sagen sie Schwarzarbeit ist verboten!!!! Soweit ich weiß ist auch Sklaverei nicht erlaubt, also wer muss dann jetzt wieder lohnen, na natürlich der dumme Bürger aus der EU. Was sind wir doch alle Volltrottel dass wir unsere Zertreter nicht einen Kopf kürzer machen. Also die müssten alle ohne Ausnahme an den Pränger und öffentlich hingerichtet werden. Dann das Schauspiel müsste in der ganzen Welt gezeigt werden, dass die Flüchtlinge in ihren Heimen bleiben und um ihnen zu zeigen dass es hier nicht mehr zu spaßen ist mit den Bürgern.”

Angesichts all dieser Kommentare sorgt Nico Cogliatis folgende Aussage dann für umso mehr Kopfschütteln:

Castiglia hat anscheinend rassistische Kommentare gelöscht

Übersetzung: “Herr Daniel Feypel es ist richtig dass verschiedene Aussagen (die ich auch sofort gelöscht habe) nicht gut geheißen werden können, es spiegelt aber wieder was der Bürger denkt und was viele Leute sich nicht trauen zu sagen (…)”

Castiglia hat also anscheinend die schlimmsten Kommentare alle schon gelöscht – wenn man dann allerdings bedenkt, dass er solche wie die obigen, in denen aus Afrika stammende Menschen kollektiv als “Neger”, “faule Säcke” und “Abschaum” bezeichnet werden, offenbar als nicht allzu schlimm empfunden und dementsprechend stehen gelassen hat, möchte ich wirklich nicht wissen, was in den Kommentaren stand, die er (angeblich) gelöscht hat. Glücklicherweise sind die hasserfüllten Kommentare unter Castiglias Artikel, entgegen seiner Auffassung, dazu nicht repräsentativ für das, was “der Bürger” sich insgeheim denkt – auch wenn es schon mehr als bedenklich ist, dass solche Gedanken überhaupt in den Köpfen einiger Menschen in Luxemburg herumschwirren.

Castiglia glänzt aber nicht nur dadurch, dass er auf dem rechten Auge vollkommen blind ist, sondern unter anderem auch durch seine gewählte Ausdrucksweise, die nicht zuletzt durch doch sehr erheiternde Widersprüche besticht:

Jetzt hör auf Leute

Übersetzung: Tom Rancour: “Wenn die ganzen Patridioten wenigstens ihre eigene Sprache richtig schreiben könnten … “Lëtzebuerger”, nicht “Letzeboier”. Es ist doch nicht so schwer.” Castiglia Nico: “Tom Rancour der Idiot musst du wohl sein … weil als ich in die Schule ging ist hier kein Luxemburgisch an der Schule gelehrt worden … und jetzt hörst du auf die Leute zu beleidigen du Sau da”

Dass Herr Castiglia seinen politischen Opponenten zuerst als “Idiot” und “Sau” bezeichnet, und dann im gleichen Atemzug von diesem fordert, damit aufzuhören, andere Leute zu beleidigen, zeugt nicht nur von dessen exzellenten rhetorischen Fähigkeiten, sondern festigt auch sein Dasein als musterhafte Realsatire des sich immer mehr in Widersprüche und Vulgaritäten verheddernden Patrioten.

Anhand dieses Kommentars von Castiglia zeichnet sich dazu wieder die herrliche Hypokrisie, die viele eifriger Patrioten auszeichnet, ab. Herrn Castiglias Ortographie im Luxemburgischen ist, wie anhand dieses Beispiels jedem, der der luxemburgischen Sprache mächtig ist, gewahr wird, gelinde ausgedrückt ziemlich fehlerhaft. Er selbst wimmelt jedoch jegliche (berechtigte) Forderungen, er solle nicht nur seiner schon so sehr angeschlagenen Kredibilität zuliebe gefälligst selbst zuerst einmal richtig Luxemburgisch schreiben lernen, ehe er das von Ausländern fordert, kurzerhand mit der Behauptung, er selbst habe halt niemals Luxemburgisch in der Schule gelernt, ab. Herrn Castiglias brennende Heimatliebe und sein Dasein als Patriot erlösen ihn also offenbar nicht nur von jeglichen ortographischen Eingrenzungen, sondern auch davon, sich in Luxemburgischkurse zu setzen und Ortographie- und Grammatikregeln zu pauken. Erstaunlich, dass die selbsternannten Retter von Luxemburg sich auf der einen Seite, von rassistischen Ressentiments getrieben, immer über die angeblich ach-so-faulen Ausländer, die kein Luxemburgisch lernen wollen, beklagen, auf der anderen Seite aber selbst offensichtlich keinen einzigen ihrer stattdessen fleißig xenophobe Kommentare auf Facebook formulierenden Finger rühren wollen, um selbst ihr fast in allen Fällen fehlerhaftes Luxemburgisch einmal gehörig aufzubessern. Natürlich könnte man die daraus resultierende kryptische Natur besagter Kommentare auch als einen Segen auffassen – immerhin entgehen einem so ihre wirren und haarsträubenden Gedanken, weil man schon alleine aufgrund ihrer mangelnden ortographischen als auch grammatikalischen Kenntnisse daran scheitert, überhaupt einen Sinn aus diesen vor Ignoranz strotzenden Gedankenergüssen, die bar jeglicher Struktur oder Reflexion sind und nur in Wörter gegossene, primitivste Regungen darstellen, herauszudistillieren.


Nico Castiglia nutzt auch die momentan sowieso schon sehr aufgeheizte und feindselige Stimmung rund um das anstehende Refenderum, bei dem unter anderem über das Ausländerwahlrecht abgestimmt werden soll, aus. Anstelle eine differenzierte und fundierte Diskussion über das Thema zu initiieren und auch die Positionen jener, die für das Ausländerwahlrecht sind – so wie etwa erfreulicherweise ein Großteil der Jugendparteien Luxemburgs in einer ungewöhnlichen Geschlossenheit -, schmeißt er lieber folgende aus dem Kontext gerissene Statistik (die mit einer ähnlich bewusst provozierenden Intention von meinem Lieblings-ADRler Joe Thein gepostet wurde) inmitten des nach Futter für seine rassistischen Ressentiments dürstenden braunen Mob los:

10.1 Joe und Castiglia

Übersetzung: “Wollt ihr das Ausländerwahlrecht??? Ich nicht !!! Für das Referendum 3x NEIN!”

Nico Castiglia entpuppt sich hier wieder einmal als schamloser Populist. Er macht sich, genau so wie Joe Thein, nicht einmal die Mühe, irgendwelche kausalen Bezüge zwischen dem  prozentualen Anteil an Ausländern in der luxemburgischen Bevölkerung und seiner in seinem dazugehörigen Kommentar geäußerten Ablehnung des Ausländerwahlrechts herzustellen – wodurch seine rein provozierende Absicht hinter dem Beitrag klar ersichtlich wird. Die Kommentare unter dem Artikel sprechen dementsprechend wieder Bände:

10.4 "Alles raus"#2

Übersetzung: “Was für ein Blödsinn raus alle grgr”

10.5 "Abschaum"

Übersetzung: “Nicht alle ich kenne auch feine Ausländer die sich angepasst haben und Luxemburgisch sprechen und mit Luxemburgern zusammen oder verheiratet sind. Aber der Abschaum alles raus und keiner mehr rein.”

10.3 "Alles muss raus"

Kommentare wie diese lassen keinen Zweifel mehr daran, dass die SDV nicht einmal den geringsten konstruktiven Beitrag zur Referendumsdiskussion liefern könnte.


Nico Castiglia unternimmt dazu noch zahlreiche weitere Anstrengungen, sich selbst möglichst effizient als ignoranten Pseudo-Duce der luxemburgischen Politik zu entlarven:

6.1 Die bösartige Europaschule

Übersetzung: “Jetzt geht es endgültig zu weit! Wir müssen uns endlich wehren! Und zwar jetzt!”

6.2 Castiglia kann es kaum fassen, dass es tatsächlich eine Europaschule soll geben

Übersetzung: Castiglia Nico: “Es fängt mit einer sogenannter Europaschule an und wird dann an unseren Schulen übernommen ! Das politische Hintendrum kennen wir zur Genüge” Frank Scheer: “Ich habe das diesen Morgen schon auf dem Radio hören … Eine Europaschule und eine Grundschule in der das Gewicht auf das Portugiesische gelegt wird … Mir ist der Mund aufstehen geblieben. Wo bleibt da noch die Integration? Lernen die jetzt gar kein Luxemburgisch mehr? Hier wird wirklich alles gemacht um die Integration zu verhindern!! Das da ist eine Farce !!”

Ich bezweifle, dass Nico Castiglia und seine treuen Pöbler den von ihm verlinkten Beitrag überhaupt gelesen haben – es scheint mir eher so, dass sie wieder einmal die Fakten so zurechtbiegen, dass sie in ihr kleinkariertes Weltbild hineinpassen, denn in besagtem Artikel steht überhaupt nichts von einem obligatorischen Portugiesischunterricht. Oh, und was wird denn nur aus unseren Kindern, wenn sie auf einmal mehrere Sprachen beherrschen – weltgewandte und offene Menschen? Welch grausige Vorstellung! Danke Herr Castiglia, dass Sie uns davor bewahren und die Menschen eher Ihrem wundervollen Ebenbild entsprechend maßschneidern wollen.

In einem anderen Artikel zum Thema heißt es dazu:

Das Konzept legt großen Wert auf den Sprachenunterricht. Neu ist vor allem, dass erstmals Portugiesisch an einer öffentlichen Schule in Luxemburg unterrichtet wird. Aber auch auf Luxemburgisch als Integrationssprache soll laut Unterrichtsminister Claude Meisch großen Wert gelegt werden.

Damit ist endgültig bewiesen, dass sich Nico Castiglia, von einer offensichtlichen kognitiven Dissonanz befallen, nicht um Fakten schert und lieber einzelne Informationen aus dem Gesamtkontext reißt, um mit diesen gezielt Angst – wie etwa in diesem Falle vor der angeblichen Vernachlässigung der luxemburgischen Sprache im öffentlichen Schulwesen zugunsten des Portugiesischen – zu schüren.

Und, weiterer Fun Fact: Es gibt in Luxemburg schon eine European School – und zwar seit 1957. Da war der Herr Castiglia noch nicht einmal auf der Welt.


Den absoluten Gipfel der Ironie erreicht aber dieser Beitrag mitsamt Kommentaren, bei denen ich mir mehrmals die Augen reiben musste, weil ich die schiere Absurdität, die sich vor ihnen darbot, nicht so recht fassen wollte:

Switch

Übersetzung: Castiglia Nico: “Ich würde mal sagen dass wir Luxemburger erwachen müssen!” Carmen Casulli: “Wir Luxemburger … verschwanden ruckzuck – und du bist weg!” Castiglia Nico: “Wir können uns auch wehren, wir werden schon nicht still halten … ich auf jeden Fall nicht.” Marie’chen Thérèse Braas: “Oh gleich weiß keiner mehr was überhaupt ein Luxemburger ist.” Kleiner Jang: “Ich warte auf solche! Werde ganz freundlich mit denen sein ! Versprochen !” Yvonne Wagner: “Es würde Zeit werden weil es sind schon nicht mehr viele da und die fürchten um etwas zu sagen” Patricia Lahyr: “Ich werde auch nicht still stehen …”

Dieser Beitrag kondensiert noch einmal die ganze Paradoxie, die das Dasein als luxemburgischer Rechtsextremer charakterisiert. Die Mentalität von Castiglia und Konsorten unterscheidet sich nur marginal von den im Video von Switch porträtierten Nazis, die Jagd auf Luxemburger machen – trotzdem schließen sie jegliche Ähnlichkeit mit ihnen aus und nutzen die offensichtliche Satire sogar noch als willkommenen Vorwand, um sich weiter in ihrer vermeintlichen Opferrolle, die gar keine ist, zu suhlen.

Insbesondere Klein Jang würde, wenn man sich seine anderen Kommentare auf Castiglias Seite – die auch wieder von diesem toleriert werden – zu Gemüte führt, wohl auf Gleichgesinnte einprügeln, wenn er seinem großspurig hinausposaunten Vorhaben Folge leisten würde:

"Pseudo-Flüchtlinge"

Übersetzung: “Joo, Nico, die Griechen sind ganz ok. Wir auch. Und trotzdem sind wir genauso da. Jetzt frage ich mich schon seit Längerem. Wieviele Pseudo-Flüchtlinge und Asylanten werden in Griechenland gemästet? So wie HIER?”


Glücklicherweise legen sich Castiglia und seine Anhänger letztendlich nicht nur selbst mit ihren haarsträubenden Äußerungen Steine in den Weg, sondern stoßen auch auf deutliche Ablehnung in der luxemburgischen Bevölkerung: unter anderem weigerte sich der Besitzer des Casino Bonnevoie, in dem die Gründung der SDV am 25. April ursprünglich stattfinden sollte, dieses für Castiglias Machenschaften bereit zu stellen:

Der Betreiber des Casino Bonnevoie erklärt seine Beweggründe

Übersetzung: “Also bin nicht unter Druck gesetzt worden! Ich habe euch den Saal nicht zur Verfügung gestellt weil ihr auf RTL mit dem FN verglichen wurdet. Mein Vater ist IMMIGRANT UND ICH SOHN EINES IMMIGRANTEN! Will keinen Front National Luxembourgois bei mir haben !!!”

Letztendlich ist es wichtig, sich solchen Initiativen wie der SDV, die auf die Spaltung von Gesellschaften ausgerichtet sind und mit ihren simplistischen Lösungsvorschlägen sozio-politische Probleme vielmehr verschlimmern als lösen, aktiv entgegen zu stellen – auch wenn diese sich selbst schon, wie vorhin erläutert wurde, zur Genüge selbst diskreditieren. In Zeiten, wo unter anderem wieder Brandanschläge auf Flüchtlingsheime die Schlagzeilen beherrschen und die Stimmung in Europa allgemein wieder zu gefährlichen nationalistischen Wahnanfällen hin tendiert, ist eine rechtsextremistische Partei nämlich wirklich das Letzte, was die politische Landschaft Luxemburgs gebrauchen kann.

Doch auch wenn die SDV nicht nur wegen dem sich ihr entgegen stellenden Widerstand, sondern auch aufgrund der schieren Inkompetenz von Castiglia und seinen Anhängern scheitern sollte – was zu diesem Zeitpunkt durchaus anzunehmen ist -, so ist das Problem von rechtsextremen Strömungen in der luxemburgischen Gesellschaft noch längst nicht aus der Welt geschafft. Genauso wie PEGIDA und alle anderen immer wieder auflebenden Protestbewegungen, ist auch die SDV bloß das Symptom weitaus tiefgreifenderer Probleme eines von Unzufriedenheit und schon seit längerer Zeit schwelenden Ressentimenten geprägten Teils der Bevölkerung, zu dem die Politik längst nicht mehr vorzudringen vermag. Verschwindet die SDV von der Bildfläche, wird es nicht lange dauern, bis die nächste rechtsextreme Bewegung aus dem latenten Nährboden des Hasses hervor sprießt.
Um all dem effektiver entgegenzuwirken, und nicht mehr bloß die immer wiederkehrenden Symptome zu bekämpfen, muss man sich der Frage stellen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass sie immer wieder auftauchen, und daraufhin versuchen, die Ursachen für diesen strukturellen Rassismus, der Teile der luxemburgischen Bevölkerung noch viel tiefer durchdringt als es auf den ersten Blick erscheint, aufzuspüren. Dabei darf man auch nicht davor zurückschrecken, eigene, bereits seit dem Erwachen des eigenen Bewusstseins gepflegte Überzeugungen bezüglich Konzepten wie Identität und Nation – auf denen viele solcher rassistischen Ressentiments fußen – anzuzweifeln und möglicherweise gar über Bord zu werfen. Nur so wird man sich den Ursachen für solches Denken nähern können. Eng verwoben hiermit sind auch soziale Missstände, die letztendlich wieder auf ökonomische Problematiken hinweisen und mit diesen mögliche Erklärungen (aber beileibe keine Rechtfertigungen) für bestimmte rassistische Reaktionen liefern.
Ihr seht bereits: Um die Strukturen dieses Problems herauszudifferenzieren und es langfristig zu lösen, müssen alle möglichen Aspekte, die damit zusammenhängen, näher beleuchtet werden. Denn man kann sich letztendlich noch so erbittert immer wieder in den Kampf gegen die äußerlich sichtbaren Manifestationen von Rassismus und anderen Ausgrenzungsmechanismen stürzen – sie werden, ähnlich den Köpfen der Hydra, jedes Mal nachwachsen. Für jeden rechten Agitator und Pseudo-Politiker, dessen Argumente ich wie im vorliegenden Text zu dekonstruieren versuche, tauchen wiederum drei neue auf, deren haarsträubende Äußerungen mir entgehen – und das wird solange weitergehen, bis wir uns als Gesellschaft dazu entschließen, uns nicht nur gegen Rassismus zur Wehr zu setzen, sondern auch seinen Ursprüngen auf den Grund zu gehen, indem wir unsere eigenen ökonomischen und sozialen Fundamente, auf denen die Bestie ja ruht und gedeiht, einmal bis auf den letzten Stein auseinander nehmen und kritisch beäugen.

Quellen und weiterführende Links:

“Sozial Demokratesch Vollekspartei” gëtt 25. Abrëll gegrënnt (RTL.lu)
Le Pen fonce sur la guillotine (Libération)
Jean-Marie Le Pen récidive sur “le point de détail” (Le Monde)
Nico Castiglia, détrousseur converti à la politique (Paperjam)
Politmonitor zum Referendum – Ein Mal Ja, zwei Mal Nein (wort.lu)
“Wahlrecht hat gar nichts mit Nationalität zu tun.” (L’essentiel Online)
Das Facebook-Event zur Gründung der SDV
Neue internationale Schule in Differdingen – Eine Schule aller Kulturen (wort.lu)
Das Facebook-Profil von Nico Castiglia
Jean Le Pen über NS-Gaskammern – Ein Detail des Krieges (taz)
Fremdenfeindlichkeit – Tröglitz ist kein Einzelfall (ZEIT Online)
7 Reasons why reverse racism doesn’t exist (The Daily Dot)
Opruff zum Haass – 2 Leit verurteelt zu 9 Méint mat resp. ouni Sursis (RTL.lu)
Muslim populations by country: how big will each Muslim population be by 2030? (The Guardian)
Pierre Peters? Nee Merci (sehr empfehlenswerte Facebookseite, die in luxemburgischer Sprache über Rechtsextremismus informiert)
Islamfeindliche Äußerungen – Marine Le Pen droht Strafverfahren
Sehr empfehlenswerte Studien der Uni Leipzig zum Thema Rechtsextremismus und “Extremismus der Mitte”
Sascha Lobo über Tröglitz: “Ausländerfeindliche Kommentare: Aufblitzen der Unmenschlichkeit”
Wie Facebook von rechten Hetzern missbraucht wird (Die Welt)

Meine bisherigen Texte über die rechte Szene in Luxemburg:

Nein zu PEGIDA – jetzt umso mehr als zuvor!
Fernand Kartheisers Kritik am Feminismus und die Legitimation der Diskriminierung von Homosexuellen
Liebe luxemburgische Patrioten, …
Pierre Peters erneut an der Seite der NPD
Neue Einblicke in die rechtsextreme “Luxemburg Defence League”
Rechtsextremismus in Luxemburg – neue Einblicke
Ausländer- und Homosexuellenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus & Co. in Luxemburg
Ein beunruhigender Blick in die Vereinigung der “Lëtzebuerger Patrioten”
“Lëtzebuerger Patrioten”
Neue “rhetorische” Ergüsse der NDU
“(…) die houer Kaméildreiwer!”
“Durchforstet eure Pizzabroschüren!”
“Mäer sinn dach keng Rassisten – erklär du uns mol wat dat ass”
1. Artikel über die NDU

“Todesstrafe” für alles und jeden! – Hetze in sozialen Netzwerken (Gastbeitrag von Xavier Hofmann)

Der 4. Gastbeitrag von Xavier Hofmann zum Thema “Menschliches Verhalten in sozialen Netzwerken”. Den Originalartikel findet ihr hier.

“Todesstrafe” für alles und jeden! – Hetze in sozialen Netzwerken

Wie bereits in der Einleitung angekündigt, wird dieser Post sich mit der Hetze in sozialen Netzwerken – wieder am Beispiel von Facebook – beschäftigen. Viel zu oft sind solche Aktionen schon in Selbstjustiz oder falsche Verdächtigungen ausgeartet. Außerdem ist es immer wieder erschreckend, anzusehen, wie schnell Menschen dazu bereit sind, sich für die Todesstrafe auszusprechen oder private Daten von vermeintlichen Verdächtigen zu veröffentlichen und diese für vogelfrei zu erklären. Besonders im Internet stellt dies ein Problem von bisher unbekanntem Ausmaß dar.
Im Folgenden werde ich kurz skizzieren, wie sich das in diesem konkreten Fall zugetragen hat. Ein Video von einem jungen Mann, der ein Tier quält, wird veröffentlicht. Anscheinend werden auch der reale Name und die Adresse dieses Tierquälers bekannt. Nun versuchen etliche Seitenbetreiber, wie bereits im vorherigen Blogpost erklärt, ihre Reichweite durch das Verbreiten dieses Videos zu erhöhen. Zusätzlich dazu verweisen sie auf eine, offensichtlich von ihnen erstellte, Seite, die nur dazu dienen soll, speziell gegen die Person zu hetzen, die im Video zu sehen ist. Schließlich will man als empörter Nutzer auch auf dem neuesten Stand jedes Skandals sein. Auf dieser neuen Seite wird dann wieder das entsprechende Video mit dem Aufruf, diesen Tierquäler zu finden und ihm seine “gerechte” Strafe zu erteilen, geteilt. Hierbei handelt es ganz klar um einen privaten Fahndungsaufruf, welcher auch noch dazu anstiftet Selbstjustiz zu begehen. Auf diese rechtlichen Aspekte werde ich vertieft in einem späteren Post eingehen. Vorweg sei schon einmal klargestellt, dass man sich hiermit ganz klar strafbar macht!
Für den Seitenbetreiber bringt dieses ganze Geschehen mit sich, dass seine Abonnenten nun praktisch doppelt mit von ihm administrierten Seiten interagieren. Folglich erhöht sich seine Reichweite, und ihm steht nun eine weitere, gut besuchte Seite zu Verfügung, um seine Interessen zu verfolgen. Nun muss die neue Seite mit Posts versorgt werden. Dazu erfanden die Seitenbetreiber im Beispiel eine angebliche Presseinformation von der DPA, in der es hieß, der besagte Tierquäler sei in der Nacht von einem maskierten Täter angegriffen worden und schwebe nun in Lebensgefahr. Der Vermerk des Seitenbetreibers: “GERECHTIGKEIT SIEGT EBEN DOCH!!!!!!!!!!!!” Selbstjustiz ist jedoch niemals gerecht! Ich möchte darauf hinweisen, dass ich keinerlei Sympathien mit dem im Video abgebildeten Menschen empfinde, ich verlasse mich lediglich auf das Rechtssystem, welches sich um solche Probleme kümmert.
Noch dreister wurde das Ganze, als diese Seiten einige Zeit nach dem hier angesprochenen Skandal, weitere Videos hochluden, auf denen Tierquäler zu sehen waren. Auch für diese wurde – natürlich – erst einmal die Todesstrafe gefordert. Man muss sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, wie lange die Menschheit dafür kämpft und gekämpft hat, um sich nicht von einer staatlichen Institution das Recht auf das eigene Leben aberkennen lassen zu können. Wie kann man sich jetzt also dafür aussprechen? Jede Rationalität scheint an diesem Punkt verloren.
Natürlich wurde der im Video gezeigte Mann sehr schnell angezeigt und von der Polizei in Gewahrsam genommen, auch um ihn vor eventueller Selbstjustiz zu schützen. Das schien notwendig, denn die im Internet angedeuteten Gewaltandrohungen wurden real, als zwei Einbrecher sich Zugang zur Wohnung des Tierquälers verschafften, der sich aber an einem anderen Ort aufhielt. Abschließend sollte erwähnt sein, dass der hier gezeigte junge Mann wohl aufgrund seiner Polizeiakte nie mehr richtig in das soziale Leben zurückfinden wird. Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche sind wohl auch nicht auszuschließen. Handelt es sich dabei nicht schon um eine angemessene Strafe? Gewalt ist niemals eine Lösung. Gleiches mit Gleichem zu vergelten ebenso wenig.
Ein noch viel größeres als das gerade dargestellte Problem ist wohl die Tatsache, dass bei solchen privaten Fahndungsaufrufen auch falsche Personen verdächtigt werden können. Meist sind die Beschreibungen einfach zu ungenau, als dass man genau erkennen kann, um welche Person es sich handeln soll. Manchmal veröffentlicht auch ein übereifriger Nutzer eine angebliche Adresse des vermeintlichen Täters, die anschließend vom Seitenbetreiber weiterverbreitet wird. Die resultierenden Folgen sind leicht auszumalen und traten auch schon mehrmals auf.
Schließlich bleibt hier nur der Rat übrig, sich von solchen Hetzaktionen im Internet fernzuhalten. Um ihrer Reichweite Willen sind viele Seitenbetreiber dazu bereit, über das Gesetz hinaus zu gehen und Informationen nach Belieben zu verdrehen. Fahndungsaufrufe sowie die Ausübung von Justiz sind nicht ohne Grund der Öffentlichkeit verwehrt. Wenn überhaupt, dann sollte nur der Staat die Möglichkeit besitzen, im Netz nach mutmaßlichen Verbrechern zu fahnden, denn auch dies birgt eine große Problematik mit sich, da die Reichweite in sozialen Netzwerken ungeahnte Größen erreichen kann. Es genügt eigentlich schon, dass eine Seite den Beitrag ausschmückt und weiterleitet, um in Teufels Küche zu landen.

Quellen: